Free Udemy Courses and Zero Broken link.
The only website where expired courses are deleted.

Crawling Out Of The Mud | Deutsch

Share :

Publisher : Dirk Boss

Course Language : German

Description

EIN DÜSTERER WALD

Schließe deine Augen und versetze dich für einen Moment in die folgende Situation:

Du befindest dich gerade alleine in einem düsteren Wald. Offenbar  hast du dich zu irgendeinem Zeitpunkt verlaufen, denn eigentlich  wolltest du gar nicht hier sein. Wie lange du dort schon herumirrst,  weißt nur du selbst. Vielleicht bist du erst vor kurzem vom richtigen  Weg abgekommen; vielleicht sind es auch schon einige Wochen, Monate oder  Jahre. Möglicherweise befindest du dich sogar schon seit deiner  Kindheit dort. Wie du es geschafft hast, unter diesen Bedingungen so  lange am Leben zu bleiben, weißt du selbst nicht so recht. Dein Handy  hat seit langer Zeit keinen Akku mehr, und selbst, wenn es noch angehen  würde, hättest du ohnehin keinen Empfang.

Heute ist ein besonders harter Tag. Die eisige Kälte lässt das Blut  beinahe in deinen Adern gefrieren. Die Sonne ist inzwischen gänzlich  untergegangen und es ist beinahe unmöglich, die eigene Hand vor Augen zu  sehen. Dein Magen knurrt, weil du seit Tagen nichts gegessen hast, und  deine Lider sind so schwer, dass du beinahe im Stehen einschläfst.

Der einzige Grund, wieso du noch wach bist, ist der dichte, knietiefe  Schlamm, in dem du gerade steckst. Wie zur Hölle du dort gelandet bist,  kannst du nicht sagen. Du bist verwirrt und hast das Gefühl, vollkommen  orientierungslos zu sein. Nur deine Intuition sagt dir noch, dass du  dich mit letzter Kraft an einen trockenen Ort begeben musst, um bis zum  Morgengrauen zu überleben. Aber du weißt nicht einmal, wie du aus diesem  zähen Matsch kommen sollst.  Die Verlockung, jetzt einfach aufzugeben  und im Nichts zu versinken, steigt mit jeder Minute weiter an.
Nur eine kleine Pause, dann gehe ich weiter,  denkst du dir. In dir keimt der Wunsch auf, dass das Leid endlich  endet. Du sehnst dich nach Erlösung. Langsam lässt du dich rückwärts in  den Matsch sinken. Fühlt sich eigentlich ganz gut an. Warum habe ich das unvermeidbare Schicksal so lange rausgezögert?

Die kritische Schwelle

Während du wie in Zeitlupe Stück für Stück tiefer sinkst, blickst du  unfokussiert in den klaren Sternenhimmel. Dich umgibt überwiegend die  Stille. Gelegentlich vernimmst du die Laute wilder Tiere in der Ferne,  aber diese treten mit jeder weiteren Minute stärker in den Hintergrund.  Deine Atemzüge werden flacher. Nach einer Weile verblasst auch das  Leuchten der Sterne allmählich. Deine Augenlider schließen sich.

Als dir gerade der leise Gedanke kommt, ob sich Sterben anders als  Einschlafen anfühlt, dringen unterschwellige Töne in dein Bewusstsein.  Sie unterscheiden sich von denen in der Umgebung. Es sind Geräusche im  Laub. Kaum vernehmbar, aber rhythmisch. Manchmal hört man kleine Zweige  brechen.

Knack.

Und wieder.

Knack.

Es sind Schritte. Inzwischen sind sie etwas deutlicher zu vernehmen. Wirst du auf dem Weg ins Jenseits abgeholt?

Mühsam öffnest du deine Augen ein Stück und drehst deinen Kopf in die  Richtung der Geräusche. Du bist dir nicht sicher, ob dir dein Gehirn  einen Streich spielt, aber du meinst, in einiger Entfernung ein warmes,  flackerndes Licht zu erkennen. Du blinzelst einige Male. Es sieht nach  der Flamme einer Fackel aus, die langsam aber zielstrebig auf dich  zukommt. Einige Momente später verwandeln sich die schlurfenden Schritte  im Laub zu stapfenden Geräuschen im Matsch.

Ein Mensch?, fragst du dich. Hier?
Es wäre das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit, dass dir eine Person begegnet.

Wie du in diesem Moment reagierst, weißt nur du.
Freust du dich und die Hoffnung auf Rettung keimt in dir auf?
Hast du Angst vor dem Unbekannten?
Oder empfindest du rein gar nichts, da du innerlich bereits abgeschlossen hast?
Handlungsunfähig liegst du weiterhin regungslos an Ort und Stelle und wartest ab, was als Nächstes passiert.

Der Umriss der Gestalt, die sich durch den Schlamm zu dir kämpft, ist  inzwischen deutlich zu sehen. Im Lodern des Fackellichts erkennst du  einen großen Mann, der in einen gefütterten Mantel eingepackt ist. Sein  Atem wird mit jedem Zug hörbarer.

Einige Momente später steht er schließlich unmittelbar vor dir. Er  kommt kurz zur Ruhe, dann streift er seine Kapuze ab. Zum ersten Mal  siehst du sein Gesicht. Er mustert dich.

Du öffnest den Mund, aber es kommen keine Worte hervor.

Der Mann beugt sich zu dir hinab und blickt dir mitleidvoll in die  Augen. „Du musst nichts sagen. Ich weiß, wie du dich fühlst. Es ist  nicht deine Schuld, dass du hier gelandet bist. Lass uns einen Ausweg  finden“, spricht er mit ruhiger Stimme. „Die Reise kann lang und  beschwerlich werden, aber am Ende lohnt sich die Mühe. Hab etwas  Vertrauen.“

Was geht in dir vor?
Glaubst du dieser fremden Person, die auf einmal in dein Leben getreten ist?
Oder ist sie nur eine Halluzination – zu gut, um wahr zu sein?

Genau jetzt, in diesem Moment, befinden wir uns an einem Wegekreuz in deinem Leben,
an der kritischen Schwelle.

Wirst du dich nochmal aufraffen, obwohl du eigentlich keine Energie mehr hast?
Hältst du es überhaupt für realistisch, trotz Unterstützung jemals aus diesem Labyrinth hinauszufinden?
Ist diese düstere Umgebung womöglich schon dein neues Zuhause geworden?
Hast du vielleicht sogar vergessen, dass es eine Welt jenseits dieses Waldes gibt?

Ich strecke meine Hand nach dir aus. Der wichtige Augenblick ist gekommen.

Nimmst du meine Hilfe an, oder bleibst du im Schlamm liegen und überlässt dich deinem Schicksal?

Deine Entscheidung.

Who this course is for:
  • Menschen in mentalen Krisen